Müsen ist auch immer wieder Thema in den Artikeln der regionalen Zeitungen. In dieser kleinen Pressschau werden diese Artikel gesammelt und möglichst zeitnah zur Verfügung gestellt.

Die Artikel der Rubrik "Aufgespiesst" aus der Siegener Zeitung findest Du hier.

Mordechai Gebirtig: Ein „Superstar“, ermordet 1942

Uwe von Seltmann liest in seinem Heimatort Müsen aus seiner Gebirtig-Biografie „Es brennt“

 

 

Müsen - Von einem „Superstar“ spricht Uwe von Seltmann. Ein Superstar, dessen Konterfei er auf dem T-Shirt trägt, Portraitskizze des Mannes, der als Vater des jiddischen Liedes gilt: Mordechai Gebirt.

„Vater des jiddischen Liedes“, so lautet auch der Untertitel des Buches, das von Seltmann viel Lob einbrachte, der ersten deutschsprachigen Biografie Gebirtigs überhaupt. Dessen Lied „S'brent“ (Es brennt) war während der NS-Zeit die inoffizielle Hymne jüdischer Widerstandskämpfer. Es wird heute in Israel zu jedem Holocaust-Gedenktag angestimmt, ebenso wie zu Gedenkfeiern in Deutschland.

Uwe von Seltmann ist in Müsen geboren und gibt den Ort als ersten Wohnsitz an. Am 19. November wird er hier sein Buch vorstellen (siehe Textende). Die Recherche für die Biografie nahm vier Jahre in Anspruch. Die Spurensuche führte den 55-Jährigen in Archive in Europa, Israel und den USA. Erfahrung und Spürsinn helfen, das Internet natürlich auch. Begonnen hat alles aber schon viel früher.

„Die Geschichte fängt in Ferndorf an, in der früheren OT“, erinnert sich der Autor. Dort gab es regelmäßig stattfindende Folknights, dort kam der junge von Seltmann mit der jiddischen Folkband „Espe“ in Kontakt. „Da habe ich zum ersten Mal die jiddische Sprache gehört, habe dann das alte Hebräisch gelernt, sodass ich Jiddisch lesen konnte.“ Er schmunzelt. „Das Jiddisch, das ich spreche, hat einen deutschen und einen Siegerländer Akzent – es ist ein Bühnen-Jiddisch.“


Uwe von Seltmann (sitzend links) mit seinem Vater Lothar von Seltmann (stehend links), Werner Stettner (kath. Vorsitzender der Gesellschaft für Christliche-Jüdische Zusammenarbeit), Alon Sander und Ulrich Bensberg.

Während des Vorab-Pressegesprächs bei Bensberg Wohnen lässt von Seltmann die eine oder andere Kostprobe hören. Vorm Krieg habe es Dutzende von Dialekten gegeben, „da kann man nichts falsch machen. Ich bin froh, die Sprache einigermaßen in Wort und Schrift zu beherrschen. Für mich hat Jiddisch eine Zukunft, ich bin da optimistisch“.

Ulrich Bensberg von der Dorfgemeinschaft meldet sich zu Wort. „Ich finde es stark, dass du das so hoch hältst. Die Nationalsozialisten sollten nicht recht behalten!“ Das Überleben der jüdischen Musik, Literatur und auch des jüdischen Witzes sei eine Entwicklung, die nur dank des Überlebenskampfes in Deutschland und Europa möglich gewesen sei, merkt Alon Sander, der jüdische Vorsitzende der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, an.

„So richtig habe ich Gebirtig erst über Boris Dorfman kennengelernt“

In der Ukraine kommt von Seltmann erstmals mit jiddischen Muttersprachlern in Berührung. In Lemberg trifft er den Publizisten und letzten jiddisch sprechenden Einwohner der Stadt, Boris Dorfman – eine prägende Begegnung. Über ihn werden er und seine Frau ihren ersten Film drehen (Boris Dorfman – A mentsh/2014). „So richtig habe ich Gebirtig erst über Boris Dorfman kennengelernt.“ Die Geschichte des Tischlers und Poeten aus Krakau wird von Seltmann nicht mehr loslassen.

Mit seiner Frau Gabriele lebt er in Gebirtigs früherer Nachbarschaft. Die ursprüngliche Idee war, auch über Mordechai Gebirtig einen Dokumentarfilm zu drehen – doch fehlende Mittel machen den von Seltmanns einen Strich durch die Rechnung. „Jiddischland war immer ein armes Land und ist es bis heute“, stellt von Seltmann sachlich fest. Zwar solle man niemals nie sagen, „aber im Grunde haben wir akzeptiert, dass wir es nicht fertig kriegen“.

Seine Recherche soll jedoch nicht umsonst gewesen sein, bildet den Grundstock für das Buch. Dafür, dass zunächst vermeintlich kaum Material über Gebirtig vorhanden sein soll, wächst das Projekt rasant. Nicht selten kommt es vor, dass von Seltmann die zuständige Mitarbeiterin im Verlag um „weitere zehn Seiten und nochmal zwei Wochen“ bitten muss, berichtet er lachend. Aus den ursprünglich geplanten 200 Seiten werden 400. Was nach schwerer Kost klingt, ist mit zahlreichen Liedbeispielen, Fotos, Zeitdokumenten und Faksimiles auch grafisch sehr leserfreundlich aufbereitet.

„Polen ist das, was wir haben werden, wenn die AfD kommt“

Die zweite Auflage des Buches ist in Vorbereitung, „die Resonanz überrascht mich“, gibt von Seltmann zu. Der Großteil der Biografie über Mordechai Gebirtig entstand in Istrien, das von Seltmann „meine zweite Lieblingsheimat“ nennt. Weltoffen sei die Halbinsel, heiße die Menschen willkommen. Dieses Gefühl hatte er in Krakau, wo er seit 2007 lebte, nicht mehr. Als Nichtpole und Nichtkatholik habe man es schwer in der Stadt. Uwe von Seltmann ist sicher: „Polen ist das, was wir haben werden, wenn die AfD kommt“.

Für sein neues Projekt forscht er derzeit auch zum Thema Weimarer Republik und sieht viele Parallelen zum heutigen Deutschland. Die von Seltmanns haben Krakau verlassen. „Die Stadt wird mir immer am Herzen liegen, aber es war nicht mehr so, dass man da gern gelebt hätte.“

„Anders“ heißt nicht unbedingt „fremd“

Die Geschichte von Mordechai Gebirtig ist eine zutiefst aktuelle. „Es geht um die Akzeptanz von Menschen, die anders sind – das ist in Europa nicht verbreitet“, so Alon Sander. Dabei heiße „anders“ nicht unbedingt „fremd“. Antisemitismus und Rechtsextremismus habe es in Deutschland immer gegeben, ergänzt Uwe von Seltmann. Nicht zuletzt Facebook und Co. gibt er die Schuld daran, dass das, was bislang am (Stamm-)Tisch blieb, nun von Millionen Menschen mitbekommen wird. „Sie sind geschützt“, sagt er mit Blick auf die Hetzer in den sozialen Medien.

Alon Sander gibt sich keinerlei Illusionen hin: „Ich lebe nur, weil mein Großvater 1933 gesagt hat: ,Ich glaube jedes Wort'“ - und seine Söhne außer Landes brachte. Die Zustände in Deutschland 2019 brächten wieder viele Juden dazu, das Land zu verlassen – statt noch einmal abzuwarten.

Mordechai Gebirtig habe schon 1941 von einer Schande für Generationen gesprochen, so Uwe von Seltmann. Der Mann, dessen Ziel es immer gewesen ist, mit seinen christlichen Nachbarn in Frieden zu leben, wurde 1942 im Krakauer Ghetto von den Nazis erschossen. 170 Lieder und Gedichte des „Chronisten von Kazimierz“, des jüdischen Viertels von Krakau, haben den Holocaust überdauert.
Multivisions-Lesung in Müsen am 19. November

Die Multivisions-Lesung aus „Es brennt – Mordechai Gebirtig, Vater des jiddischen Liedes“ am Dienstag, 19. November, um 19 Uhr, im Bürgerhaus Müsen solle keine „Leselampen-Wasserglas-Geschichte“ werden, so von Seltmann. Gastgeber sind die Gesellschaft für Christliche-Jüdische Zusammenarbeit, die Dorfgemeinschaft Müsen und das Bürgerforum Müsen.

Uwe von Seltmann dankte beim Pressegespräch den Organisatoren, dass sie „das Wagnis“ einer solch „exotischen“ Veranstaltung eingingen und zeigte sich zugleich zuversichtlich, auch Leute von außerhalb zu der Veranstaltung begrüßen zu können. Lesung und Vortrag werden ergänzt von Sequenzen aus dem nicht fertiggestellten Film über Mordechai Gebirtig, an dem viele namhafte jiddische Musiker mitgewirkt haben.

Quelle: Siegerlandkurier, 10.11.2019

Am 15. November ist Schluss

Bäckerei Höfer verabschiedet sich nach 159 Jahren aus Müsen


Mit einem lachenden und einem weinenden Auge blicken Anneliese und Thomas Höfer dem 15. November und ihrer Geschäftsaufgabe entgegen. © K. Osthoff

 

Müsen  - Nach der Geschäftsaufgabe der Bäckerei Fischer in Kredenbach Ende des vergangenen Jahres, schließt zum 15. November 2019 noch ein alteingesessener Bäcker im nördlichen Siegerland.

In den 60er- und 70er-Jahren gab es in Müsen fünf Bäckereien. Aktuell ist es nur noch eine. Die Bäckerei Höfer an der Hauptstraße 92 wird in der fünften Generation von Bäckermeister Thomas Höfer geführt. Das aber nur noch bis Freitag, 15. November. An diesem Tag können die Kunden ein letztes Mal Brötchen, Brot und andere Backwaren einkaufen. Denn Thomas Höfer schließt nach reiflicher Überlegung sein Unternehmen.

Keinen Nachfolger gefunden

Zum einen aus gesundheitlichen Gründen. Mit der wichtigste Grund aber ist, dass der Bäckermeister keinen Nachfolger gefunden hat. 1996 hat er das Unternehmen von seinem Vater Ludwig Höfer übernommen. In der Backstube selbst steht er schon seit einigen Jahren nicht mehr. Volker Stichel, Wiebke Hänkel und Mai Mai Liang übernehmen jede Nacht die Arbeit dort. „Schon vor zwölf Jahren waren wir auf der Suche nach einem Bäcker. Und schon da war es sehr schwer, überhaupt Mitarbeiter im Bäckereihandwerk zu finden“, erinnert sich Thomas Höfer.

Auf eine Stellenanzeige bewarb sich daraufhin seine jetzige Mitarbeiterin Mai Mai Liang. „Die aus China stammende Frau kam zum Vorstellungsgespräch, stand mit mir in der Backstube und schaute mir bei der Arbeit zu. Irgendwann sagte sie. ,Du Chef?’ Denn der Chef habe immer einen dicken Bauch, wie in China“, erzählt Thomas Höfer lachend, als er an diese Situation zurückdenkt. „Klar habe ich da im ersten Moment schlucken müssen und habe überlegt, nimmst du diese Person in deine Firma auf? Aber sie war so interessiert und konnte gut arbeiten. Da haben wir uns für eine Zusammenarbeit entschieden. Ein guter Schritt“, so Höfer.

Das ist nur eine von mehreren Anekdoten, die ihm auf die Frage einfallen, welche schönen und lustigen Erinnerung er mit dem Unternehmen verbindet. „In  Spitzenzeiten hatten wir acht Filialen. In den letzten fünf Jahren haben wir aber immer mehr Geschäftsstellen abgebaut. Wir wussten ja schon länger, dass wir unseren Betrieb aufgeben wollen“, so Höfer, der zusammen mit seiner Mutter Anneliese Höfer kürzlich zu einem Gespräch mit dem Kurier in der alten Küche zusammensaß.

Kein Urlaub seit 1996

Direkt nebenan bedient Martina Hoffmann die Kundschaft. Zusammen mit Bärbel Haschke, Hannelore Dömer, Irene Rennig und Martina Weißgerber bildet sie das Team der guten Seelen hinter der Ladentheke. Elvira Giesler ist schon seit 40 Jahren mit dabei. Sie alle haben das Vertrauen in den vielen Jahren aufgebaut. „Denn wer beim heimischen Bäcker einkaufen geht, möchte nicht nur gute Backwaren kaufen, sondern dem gefällt auch der persönliche Service. Man kennt sich einfach, und das genießt die Kundschaft“, sagt Thomas Höfer.

Er ist nicht der Vielredner, das überlässt er seiner Mutter und den Angestellten. Bis vor einigen Jahren stand auch seine Mutter noch selbst hinter der Ladentheke, hilft aber heute gelegentlich nur noch aus, wenn Not am Mann ist. Auch bei ihr sind durch die Gesundheit Grenzen gesetzt.

Thomas Höfer beschwert sich nicht. Auch wenn man ihm anmerkt, wie schwer ihm das Laufen fällt. Es sind die Beine, die Gelenke, die Knie, die ihm Probleme bereiten. Zeit für Krankenhausbesuche und zum Auskurieren und Erholen hatte er bisher nicht. Der Chef muss selbst ran, wenn – wie überall im Handwerk – Fachpersonal fehlt. Zum Vergleich: „In Spitzenzeiten hatten wir bis zu 37 Mitarbeiter.“ Seit er die Bäckerei übernommen hat, hat sich Thomas Höfer keinen Urlaub mehr gegönnt. Das möchte er ändern. Und hat auch schon weitere Pläne für die Zukunft.

Die neue Honda Chopper steht schon in der Garage

Wenn er wieder ganz gesund ist, möchte er reisen. „Mit dem Motorrad viele Städte sehen. Die Honda Chopper habe ich mir vor 14 Tagen schon gekauft. Die steht in der Garage“, so Thomas Höfer. Mit einem Freund möchte er viele Touren fahren. „Kanada ist unser Traum“, so Höfer. Darauf freut er sich besonders. Aber auch über die neu gewonnene Zeit, die er ab dem kommenden Dienstag haben wird. Viele seiner Mitarbeiter haben bei anderen Bäckereien einen neuen Arbeitsplatz gefunden. „Ich möchte mich natürlich sehr bei unseren Kunden und meinen Mitarbeitern bedanken. Denn ohne all diese guten und freundlichen Menschen wären wir gar nicht so lange so erfolgreich gewesen“, so Thomas Höfer.

Ein großes Dankeschön an die Kunden

Am 15. November wird es ab 15 Uhr es eine offizielle Abschiedsfeier geben. Mit dem Musikverein Müsen und sicherlich vielen Gästen, die neben dem Schwarzbrot, den Laugenecken und anderen  Köstlichkeiten auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vermissen werden. Dann ist die Bäckerei, die 1860 von Ludwig Schneider aus Bad Berleburg gegründet wurde und neben dem Dorfbrand im Jahre 1893 noch vieles mehr erlebt hat, Geschichte. Die Bäckerei, in der viele Menschen einen Arbeitsplatz gefunden haben und unzählige Kunden tagtäglich ein und aus gegangen sind.

Quelle: Siegerlandkurier, 10.11.2019

Adressenaustausch nicht mehr möglich

Seniorenfeier: Ortsvereine Müsen haben Probleme mit der Datenschutzgrundverordnung

Müsen - Auch in diesem Jahr veranstalten die Müsener Ortsvereine eine Seniorenfeier für alle Vereinsmitglieder über 60 Jahre. Auf eine persönliche Einladung müssen die Gäste allerdings erstmals verzichten. Das hat aber nichts mit der Unlust der Gastgeber zu tun.

Die Feier findet am Samstag, 16. November, ab 15 Uhr im örtlichen Bürgerhaus statt. Die Moderation und die Gestaltung des Programms hat sich der Musikverein auf die Fahnen geschrieben – quasi als offizieller Abschluss seines Jubiläumsjahres. Auf die Senioren warten ein abwechslungsreiches Programm und ein Küchenbuffet. 

Entgegen der früheren Jahre werden die Gäste dieses Mal aber nicht persönlich angeschrieben und eingeladen. Das hat sein Grund nicht etwa in einer Unlust der Vereine, sondern in einem Thema, dass seit Anfang des Jahres für viele Probleme in den Vereinen sorgt, wie es in einer Pressemitteilung heißt: die DSGVO. Hinter dieser Abkürzung verbirgt sich die Datenschutzgrundverordnung. Mit dieser Verordnung sollen die Daten der Bürger besser geschützt werden. 

Für die Seniorenfeier der Müsener Ortsvereine bedeutet dies aber, dass die Vereine die Adressen untereinander nicht mehr abstimmen dürfen. Dies hat zur Folge, dass jeder Verein „seine“ Senioren selber einladen müsste und daraus würde eine Flut von fast 2000 Einladungen entstehen – gegenüber ca. 500 Einladungen wie in den Vorjahren.

Damit sich die Einladungen nicht in den Müsener Briefkästen stapeln, haben sich die Vereine entschieden, per Plakate und Flyer einzuladen. Bereits im Terminkalender der Ortsvereine, der Anfang Oktober erschienen ist, war dieser Flyer abgedruckt. Plakate und weitere Flyer liegen nun in den Müsener Geschäften aus. Die Vereine hoffen, damit alle potenziellen Gäste zu erreichen und wie in den Vorjahren in einem gut besuchten Bürgerhaus einen schönen Nachmittag mit den Senioren zu verbringen.

Quelle: Siegerlandkurier, 10.11.2019

Quelle: Westfälische Rundschau, 09.09.2019

Quelle: Westfälische Rundschau, 09.09.2019

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