Bloß nicht verspäten

Selbst nach all den Jahren brauchen einige Zeitgenossen noch eine gewisse Zeit, um mit der Zeitumstellung zurecht zu kommen. In Müsen wurde an vergangenem Sonntag ein solcher Fall Bekannt – bereits der zweite innerhalb von acht Jahren!

Am Morgen nach dem traditionellen Vogelschießen des örtlichen Spielmannszuges bereitet sich eines der Mitglieder gewissenhaft auf ein Geburtstagständchen auf der sonnenabgewandten Seite des Altenberges vor. Ganz nach Müsener Art sollte ihn ein Trecker nach Littfeld bringen. Geplante Abfahrt: zwischen 10:45 und 11 Uhr. Tatsächlich tuckerte in jenem engen Zeitfenster ein Traktor am Haus vorbei. „Ids wörret awer Zitt“, dachte sich der 60-jährige, ließ die Kaffeetasse stehen und schlenderte Richtung Straße. Dort stand er und wartete. Und wartetet. Und wartetet.

Als es ihm endlich dämmerte, dass er oder seine Uhren die Umstellung von Sommer- auf Winterzeit vielleicht verschlafen haben könnten, stand die Sonne schon recht hoch am Firmament. Es folgte eine Phase der Gleichgültigkeit, gepaart mit einem fortwährenden Schulterzucken und Kopfschütteln.
Zurück in den vier Wänden, schlürfte der Mann vom „Säubruch“ seinen mittlerweile auf zimmerwarmen Kaffee aus. Dann wurde es Zeit, sich erneut auf die Straße zu begeben, um sich bloß nicht zu verspäten.

Quelle: Siegener Zeitung, 28.10.2014