Schmeck lass nach

Dieses Telefonat hätte man eigentlich mitschneiden müssen. Einen Tag nach dem Ende des einwöchigen Müsener Hafenfests wollte Gibberichs Helene ihrem Enkel Finn-Ole zum Geburtstag gratulieren. Der lebt – der Name deutet es an – im Norden der Republik, konkret in der Hansestadt Hamburg.

Dass sich am anderen Ende der Leitung ein fremder Name meldete, machte Oma Helene nicht weiter stutzig. HH (haha), lachte sie in den Hörer hinein: „Ihr macht wieder Scherze mit mir und verstellt eure Stimme.“ Alsdann legte sie los wie ein Wasserfall. Thema Nummer 1: natürlich das einzigartige Großereignis in Südwestfalens größtem Naturfreibad.

Irgendwann musste Frau Hoffmann ihre Schwärmerei unterbrechen und Luft holen. Diese Zehntelsekunde nutzte ihr „Gesprächs“-Partner zum geduldigen Aufklärungsversuch: „Ich glaube, Sie haben sich verwählt. Hier ist nicht Ihr Enkel Finn, hier ist Matthias Schmeck.“

Schmeck lass nach, erschrak die Anruferin und entschuldigte sich höflich. Wer indes glaubt, die Konversation wäre damit beendet, täuscht sich gewaltig. Vielmehr entspann sich ein ebenso interessanter wie überraschender Gedankenaustausch. So stellte sich heraus, dass der versehentlich Angerufene zwar in Hamburg lebt, aber aus Freudenberg stammt. Müsen über’m Wasser kennt er, nicht aber aber das Hafenfest. Ein Klick im Internet (www.muzena.de) lieferte die Bestätigung: kein Ulk, alles wasserdicht.

„Das ist wirklich ein freundlicher Junge“, staunte Hoffmanns Helene nach dem außergewöhnlichen Telefonat: „Hä ess äwe en echter Sejerlänner!“

Nachzutragen bleibt, dass die gewählte Rufnummer stimmte – mit Ausnahme der letzten Ziffer. Und wer weiß: Vielleicht gibt es ja irgendwann sogar ein Wiederhören oder gar „Wiedersehen“. Ein Hafenfest böte eine prima Plattform dafür – entweder in der pulsierenden Elbmetropole oder im etwas beschaulicheren Bergmannsdorf. Peter Helmes