Auf Augenhöhe mit Udo L. und Günter G. 

O Hamburger Deern! Auf Augenhöhe in der Speicherstadt mit Udo Lindenberg und in "Hertas Stübchen" mit Gunter Gabriel - Gibberichs Helene kann über den Panikrocker ebenso ein Liedchen singen wie über den Country-Outlaw.

Helene kommt aus Müsen, das ja bekanntlich über', Wasser liegt und dessen Hafenfeste in Westfalens größtem Naturfreibad weit über die Grenzen der heimischen Region Wellen schlagen. Dem Wasser verbunden ist Helene aber auch familienbedingt, wohnt doch Tochter Anette seit geraumer Zeit in Hamburg. Da liegt es nache, selbige immer mal wieder besuchstechnisch zu beglücken.

Während einer solchen Visite begaben sich Mutter und Tochter zu einer Ausstellung in der Speicherstadt der Hansestadt. Und hanse nicht gesehen, trottete Ihnen im Foyer Udo Lindenberg entgegen. Natürlich mit Hut und Sonnenbrille: Helene, ohnehin nicht auf den Mund gefallen, zettelte spontan einen Smalltalk an: "Guten Tag Herr Lindenberg, man nennt Sie auch Udo. Da wir uns gerade mal hier sehen, könnte ich doch gewiss ein Autogramm von Ihnen kriegen." "Wenn's weiter nichts ist", nuschelt der Künstler.

Nach dieser schriftlichen Formalität tat Udo l. etwas, womit Oma Helene nie und nimmer gerechnet hätte: Erlupfte seine dunkle Brille, und Helenekonnte einen Wimpernschlag lang in seine "stahlblauen Augen" blicken. Von Westfale zu Westfälin sozusagen - er gebürtig aus Gronau, sie aus Müsen.

Um zu "Hertas Stübchen" zu gelangen, benötigt man einen schwimmenden Untersart. Benötigte, muss man besser sagen, denn die kultige Gaststube für Hafen- und Werftarbeiter im Hamburger Freihafen hat mittlerweile ihre Schleusengeschlossen. Damit ging ein Stück Hafenromatik unwiederruflich verloren.

Helene hat noch einen Hauch von ebendiesem Stück Hafenromatik mitbekommen. Gemeinsam mit Tochter und Enkelkindern ließ sie sich mit der Schifffahrtslinie 21 auf der Elbe nach Hamburg-Neuhof übersetzen. Auf dem Weg zu "hertas Stübchen" erkannte Tochter Annette Gunter Gabriel, der ja bekanntlich ein Hausboot im Hamburger Hafen sein eigen nennt.

Da die beiden Fraktionen in die gleiche Richtung marschierten, war eine Konversation unumgänglich. O-Ton Helene: "Guten Tag Herr Gabriel. Normal stehen Sie ja gwiss auf der Bühne, aber es ist auch interessant, Sie im Hafen zu sehen." Dem folgenden Autogrammwunsch kam der kernige Künstler im wahrsten Sinne nach, indem er ein Portätfoto zwecks Unterschrift aus seinem Auto fischte.

Nach dieser schriftlichen Formalität entwickelte sich tatsächlich noch ein kurzer Smalltalk. Diesmal ergruff der Star die Initiative. Gunter: "Wo kommste den her?" Helene: "Aus Südwestfalen, aus dem Siegerland." Gunter "Kenne ich." Tatsächlich konnte er sich noch an die Siegerlandhalle als Auftrittsort erinnern. Und als Idol vieler Trucker natürlich an die Sauerlandlinie.

Einmal stand Helen sogar selbst im Rampenlich. Als ein Reporter des Hamburger Abendblatts die Müsenerin zum Schmuddelwetter im hohen Norden befragte, antwortete die Nordsiegerländerin weltgewandt: "In Südwestfalenhängen auch die Wolken tief."

Quelle: Siegener Zeitung, 30.12.2011