Flaschenpost 

Da staunte das Urlauber-Ehepaar aus Dahlbruch nicht schlecht, als es sich auf der nordfriesischen Insel Föhr in einem kleinen Lokal gemütlich gemacht und etwas zu essen bestellt hatte. Der Koch – ein Seebär wie aus dem Bilderbuch mit Spitznamen „Bruno“ – wünschte nicht nur guten Appetit, sondern auch eine Auskunft.

Ob die beiden aus dem Siegerland stammten, wollte „Bruno“ wissen. Der Dialekt erinnere ihn an einen Freund von dort. Als seine Gäste die Frage verblüfft bejahten, bohrte er weiter nach. Ob sie das Dorf Müsen kennen würden. Erneut ein Ja plus den Zusatz: „Wir wohnen nur einen Ort davor.“ „Ach, in Dahlbruch“, kam es wie aus der Pistole geschossen. Das saß!

Kaum waren die geografischen Eckdaten abgesteckt, schloss sich rasch der Kreis: Der Inselkoch und besagter Freund vom Fuß der Martinshardt gehörten Ende der 1970er- und Anfang 80er-Jahre als Unteroffiziere zur Besatzung des schnellen Minensuchboots „Pollux“ – der eine als Smutje in der Kombüse, der andere als Signäler auf der Brücke. Heimathafen des Geschwaders war Flensburg. Das Leben auf engstem Raum schweißt bekanntlich zusammen, und so steht bis heute ein Teil der damaligen Besatzung in freundschaftlichem Kontakt zueinander. Erst im vergangenen Herbst war der Smutje im nördlichen Siegerland zu Gast.

Wer „Bruno“ kennt, weiß, dass er nach solch einer Zufallsbegegnung wie mit den beiden Dahlbruchern nichts dem Zufall überlässt. Ein geschickter Griff ins Regal, und schon hatte der gebürtige Rheinländer den Urlaubern eine Flasche Inselschnaps mit eigenem Konterfei auf dem Etikett in die Hand gedrückt – verbunden mit der Bitte, Poseidons Rache doch bitte an seinen einstigen Kojennachbarn weiterzuleiten.

Und so geschah es, dass kurz vor dem Müsener Hafenfest eine Flaschenpost nicht, wie üblich, übers Wasser angespült wurde, sondern auf dem Landweg das alte Bergmannsdorf „öwerm Wasser“ erreichte.

Quelle: Siegener Zeitung, 30.08.2012